„Halt bitte den Mund Baby!“

Hallo Ihr Lieben,
es ist einige Zeit vergangen als unser Traum in Erfüllung ging und wir nach unserem langen unerfüllten Kinderwunsch endlich Eltern der zauberhaften Prinzessin geworden sind.
Ziemlich genau ein Jahr ist nun vorbei. Dieses „neue“ Gefühl ist verblasst und der Alltag hat sich eingespielt. Wir haben uns kennengelernt und sind nun ein Team, aber auch heute stehe ich vor Situationen die mich zum zweifeln an mir bringen.
Erst drei Tage ist es her, da wollte ich dem Alltag nachgehen und kam dabei das erste Mal an meine persönliche Grenze.

Meine Maus ist natürlich sehr anhänglich, was ja auch völlig normal in ihrem Alter ist.

Ich wartete am Morgen bis meine Maus erwacht ist, wir hatten gegen Nachmittag eine Verabredung mit einer Mama und ihrer Kleinen auf dem Spielplatz. Mittlerweile lege ich Termine und Verabredungen auf den späteren Mittag, da ich die Maus ungerne wecken möchte.

Ich stillte sie als sie wach wurde und wir tapselten zusammen ins Bad und gingen unserer morgendlichen Routine nach. Zuerst räumt die Maus das untere Regal leer während ich zur Toilette gehe. Anschließend nehme ich sie auf den Arm und wir putzen uns gemeinsam die Zähne und waschen uns das Gesicht.

Nun gingen wir in die Küche und ich bereitete das Frühstück vor. Sie aß wie die letzten Tage wieder eine ordentliche Portion und ich lobte sie dafür wie toll sie doch mittlerweile essen kann. Ich kann mich nicht mehr erinnern wann sie anfing so toll zu essen. Im Anschluss gingen wir wieder ins Bad wo sie gewaschen wurde um sie danach im Nebenzimmer anzuziehen, dann machte sie wie immer mit mir den Boden und den Küchentisch sauber, nun begann sie schon etwas zu quängeln.

Ich ging mit ihr in ihr Zimmer und wollte mit ihr spielen, doch heute war sie nicht daran interessiert wie sonst. Sie klammerte sich an meinen Bauch als ich in der Hocke war. Ich nahm sie also auf den Arm und ging mit ihr wieder in die Küche.
Dort setzte ich sie also von meinem Arm ab um die Lebensmittel aus dem Kühlschrank zu nehmen, damit ich das Essen für später vorbereiten kann. Kaum berührten ihre kleinen Speckfüßchen den kühlen Laminatboden spannte sich ihr ganzer Körper an. Sie begann ohne Verzögerung zu schluchzen und zu weinen. Ich sprach ruhig zu ihr und fragte sie ob sie mir nicht helfen mag die Sachen aus dem Kühlschrank zu nehmen, dies tat sie bisher immer gerne. Diesmal aber kein Erfolg, ich schloss den Kühlschrank und nahm sie auf den Arm. Nun gut so muss das Essen eben warten und ich bereite es zu wenn Papa Nachhause kommt.

Ich ging also mit ihr zunächst ins Wohnzimmer und stillte sie. Danach schläft sie normalerweise entweder zu Mittag ein oder ist wieder gut drauf und spielt mit mir. Diesmal auch hier keine Chance, schlafen wollte sie nicht und spielen auch nicht. Nur auf Mamas Arm sein war zufriedenstellend. Ich nahm mir also mein Tragetuch und wollte sie gerade einbinden als sie sich dagegen wehrte und mir deutlich machte das sie dies nicht möchte.

Noch 2 Stunden haben wir bis zur Verabredung und ich stand da, noch im Schlafanzug und musste noch den Haushalt machen. Ich nahm die Maus also mit ins Bad, ich war gerade beim haarewaschen als die Maus wieder zu weinen begann. Ich beeilte mich also und versuchte ihr nebenher die verschiedensten Shampooflaschen zum spielen schmackhaft zu machen da ihr Spielzeug ja schlichtweg einfach langweilig geworden ist. Aber auch das ohne Erfolg. Im Rekordtempo machte ich mir also die Haare so weit wie nötig trocken und nahm sie wieder auf den Arm. Irgendwie habe ich es dann mit etlichen Verrenkungen geschafft mich mit ihr auf dem Arm frisch zu machen und anzuziehen. Staubsaugen und die Katzen versorgen ging auch nur mit ihr auf dem Arm. Ich bereite Gott sei Dank mittlerweile den Haushalt am Abend schon so vor das nur noch das nötigste Morgens gemacht werden muss.

Wir gingen dann pünktlich aber gestresst auf den Spielplatz. Zwei schöne Stunden haben wir dann dort verbracht, aber dies ist leider eine Seltenheit, denn es kommt momentan oft vor das wir es nicht schaffen zeitlich und die Verabredungen absagen müssen.

Zuhause angekommen sind wir beide voll mit Sand, erstmal in die Dusche gesprungen. Aus der Dusche raus möchte ich mich anziehen aber wieder weint sie als ich sie absetze. Ich zog mich also im Eilverfahren an und nahm sie wieder an mich. Papa kommt heute später, ich ging also mit Motte erneut in die Küche um das Essen vorzubereiten und als ich nur die Andeutung machte sie nach unten zu lassen schrie sie wie verrückt los.

Das löste urplötzlich etwas in mir aus was ich garnicht genau beschreiben kann. Ich war plötzlich so extrem gestresst und überfordert wie ich es noch nie empfunden habe. „Halt einfach den Mund!“ war das einzige was in diesem Moment über meine Lippen kam. Ich war so aufgewühlt das ich einfach aus dem Raum musste. Ich habe sie weinen gelassen. Ich ging also in den Nebenraum während sie nebenan dolle weinte. Ich schaltete es einfach ab! Das weinen war plötzlich nebensächlich und nicht mehr das wichtigste wie sonst. Ich konzentrierte mich dann nur auf meine Atmung, etwa eine Minuten lang gab es nur mich und meine Atmung, während meine Tochter da drüben weinte.

Ich fing mich in dieser Minuten wieder, ging zu meiner Tochter, legte mich mit ihr aufs Bett und stillte sie. Ich sah sie an und sah diese nassen Äuglein und spürte noch ihr Schluchzen.
Es fühlte sich so schrecklich an und ich zweifelte plötzlich an mir. „Bin ich eine schlechte Mutter?“, „Wie kann ich sie nur so weinen lassen ohne ihr beizustehen?“
Es tat mir schrecklich leid das ich nicht wie immer handelte, ihr meine Nähe und mein Verständnis gab. Es hat mich die letzten Tage sehr beschäftigt, denn ich war doch immer die die gesagt hat, man lässt sein Kind nicht schreien.
Und nun ließ ich sie dort alleine, weinend auf dem Boden sitzen und ging hinaus. Ich versuche immer alles aus Sicht meiner Tochter zu sehen um bestmöglich für sie handeln zu können.

Ich stellte mir also vor wie sie dort saß weinend mit der Hoffnung das ich sie wie sonst auch auf meinen Arm nehme und ihr Trost spende, doch stattdessen verlasse ich den Raum, gehe weg von ihr und sie weis nicht wohin, geschweige denn wann ich wieder komme.

Einige mit denen ich darüber sprach konnten dieses Gefühl verstehen aber wieder einige fanden meine Beschreibung völlig übertrieben. Es ist aber einfach das was ich in dem Moment empfand, es tat mir einfach schrecklich leid und weh in dem Moment (Für mein Empfinden) versagt zu haben.

Doch dann dachte ich nach und überlegte was passiert wäre wenn ich den Raum nicht verlassen hätte. Wäre ich laut geworden? Hätte ich ihr mit dieser Überforderung noch die Liebe und das Verständnis geben können wie sonst?  Ich weis es nicht. Ich weis jetzt nur das es in diesem Moment für uns beide die richtige Entscheidung  war.  Es ist ok wenn wir denken „Halt den Mund“, es ist ok wenn wir für einen Moment die Situation verlassen und es ist auch ok wenn wir uns einmal überfordert fühlen. Das weinen eines Babys löst auch hormonell bei uns etwas aus, das dies nicht spurlos an uns vorbeigeht kann man erahnen.

Deshalb sind wir keine schlechten Mütter!

Ich wollte Euch über dieses Erlebnis berichten, weil ich denke das es Mamas oder Papas gibt die genauso wie ich in solch einem Moment an sich zweifeln und vielleicht nicht zum Entschluss kommen das es die richtige Entscheidung war.

Nein, Kinder lässt man nicht alleine weinen, aber wenn eine Situation entsteht in der man überfordert ist, ist es manchmal besser für einen Moment die Situation zu verlassen um sich zu finden.

Wenn Ihr merkt das es Euch zu viel ist, ihr spürt das Ihr agressiv werdet oder unfair gegenüber Eures Kindes denkt, dann verlasst die Situation! Tut was Euch hilft, oft hilft es eben sich einfach NUR auf seine Atmung zu konzentrieren, dabei aber normal weiterzuatmen.
Ich weis solche Situationen werden ganz bestimmt wieder kommen, aber nun bin ich vorbereitet und weis wie ich handeln muss.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ramona,

    Ich mußte gerade etwas schmunzeln. Ich bin alleinerziehende Mama und habe oft dieses Gefühl an meine Grenzen zu stoßen. Mir kam die Situation sehr bekannt vor. Du bist keine schlechte Mutter, weil du dir 5 Minuten Auszeit nehmen mußt, um nicht durchzudrehen. Den Tipp gab mir damals die Hebamme. Wenn ich merke das es mir zuviel wird, gehe ich für 5 Minuten in einem anderen Raum, atme tief durch und weiter gehts. Du hast somit alles richtig gemacht. Danke Dir, das wir daran teilhaben durften 🙂

    Lg Bea

    Antworten

Kommentar verfassen