Langzeitstillen – Das natürlichste der Welt

Die Inspiration für diesen Beitrag habe ich beim Zähneputzen bekommen, als ich mal wieder beim scrollen durch mein Handy von so vielen Mamas las, die in einem bestimmten Thema extrem verunsichert wurden.
Es geht ums Stillen (Vorallem dem „Langzeitstillen“).
Ich möchte in diesem Beitrag auf dieses wichtige Thema gerne näher eingehen und Euch hoffentlich die Angst nehmen das Eure Kinder noch mit 20 im Familienbett liegen könnten und noch nach Mamas Brust verlangen, daher findet Ihr weiter unten die Verlinkung zum Interview mit der lieben Lena (Stillberaterin) vom Apfelgarten in dem sie einige Fragen zum Thema Stillen, beantwortet.

Ich lese in letzter Zeit häufiger von negativen Erfahrungen, Ängsten und Problemen bezüglich des Stillen die oft ein vorzeitiges Abstillen zur Folge haben. Zum Glück gehöre ich zu der Gruppe Mütter die bisher noch nie in der Öffentlichkeit derartig schlechte Erfahrungen machen musste, mag mich aber auch nur ungerne in diese Situation hinein versetzen. Spontan würde ich sagen dass ich kontern würde, aber in der realen Situation wüsste ich vermutlich garnicht damit umzugehen, allein schon weil ich garkein so schlagfertiger Mensch bei persönlichen Konfrontationen bin wie ich manchmal glaube.
Natürlich ist es traurig das leider manche Mütter solch negative Erfahrungen gemacht haben, weil sie das natürlichste der Welt tun, allerdings muss ich auch sagen das ich mehr postivies Feedback bezüglich des Stillen in der Öffentlichkeit lese als negatives.
Es kommt einem natürlich oft so vor das es so viel mehr negatives gibt weil man selten positives Feedback online diskutiert.
Was mir allerdings sehr häufig begegnet ist, ist die fehlende Aktzeptanz in der Familie und im Bekanntenkreis der stillenden Mütter.
Wie oft habe ich schon gelesen das Mütter sich vor direkten Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten oder sogar vor Kinderärzten rechtfertigen „müssen“ wenn es ums Stillen geht. Traurigerweise oftmals schon ab dem 6. Monat aufwärts.
Natürlich ist Stillen das gesündeste und auch für das Baby das schönste was man ihm mit auf den Weg geben kann, dennoch ist es natürlich jeder Mama selbst überlassen ob und wie lange sie ihr Kind stillen möchte, dies möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen da ich weis wie sensibel dieses Thema für viele ist. In diesem Beitrag geht es aber nicht um Mütter die nicht stillen möchten oder können und bewusst abstillen sondern um Mütter die sich rechtfertigen müssen, verunsichert sind und aufgrund dieser Verunsicherungen oder der Unwissenheit eventuell vorzeitig Abstillen, obwohl sie es noch länger gekonnt bzw. eigentlich sogar länger gewollt hätten.

Dass Stillen die natürlichste und gesündeste Sache der Welt ist, ist uns „eigentlich“ allen klar. Ich Schreibe bewusst „Sache“ und nicht Nahrungsaufnahme, da Stillen so viel mehr als nur reine Nahrungsaufnahme ist. Es stillt nicht nur den Hunger und gibt dem Körper so viele wichtige Nährstoffe, es spendet Trost, gibt Sicherheit, baut eine starke Bindung zwischen Mama und Kind auf, lindert Schmerzen und so viel mehr. Und dennoch treffen wir oft auf negative Konfrontationen. Einige glauben das es keine physischen oder psychischen Vorteile mehr hat wenn man über den 6. Monat hinaus stillt. Manche glauben dies vom 1. Lebensjahr aufwärts und manche glauben sogar das die Prenahrung dem Kind genauso viel gibt und man ihm nur die Vormilch geben sollte. Leider sind es oft genau diese Menschen mit denen diese Konfrontationen entstehen.
An dieser Stelle möchte ich schon mal auf die Empfehlung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) verweisen. Diese empfiehlt bis zum Abschluss des 6. Lebensmonat voll zu stillen, was bedeutet dass das Baby ausschließlich Muttermilch bekommt. Das Stillen nach Bedarf sollte bis mindestens zum 2. Lebensjahr und darüber hinaus zur Beikost weitergeführt werden! Die WHO Empfehlung der ersten 6 Monate liest man ständig überall, aber das die WHO auch darüber hinaus das Stillen empfiehlt wird gerade von Medien, gerne verschwiegen.

Es steckt also absolut nichts unnatürliches oder perverses dahinter, wenn Mütter Ihre Kinder „langzeitstillen“ wie manchmal unterstellt wird.
Wobei langzeitstillen hier auch eigentlich der falsche Begriff ist, eigentlich wäre es eher angebracht Mütter die „nur“ bis zum 6. Monat stillen „Kurzzeitstillende“ zu nennen, eine klare Definition für „Langzeitstillende“ gibt es nämlich nicht und aufgrund der Empfehlung der WHO ist auch nicht ersichtlich bis wann das Stillen wirklich noch benötigt wird, dies ist individuell und sollte sich nach den Bedürfnissen des Kindes und der Mutter richten. Das gesamte erste Lebensjahr sollte das Kind aber aufjedenfall gestillt werden. (Andernfalls mindestens Pre Nahrung erhalten)
Eine gesunde Stillbeziehung ist natürlich genauso wichtig wie alles andere. Passt das Stillen also für die Mama aus irgendeinem Grund nicht, sollte dies nicht verharmlost sondern berücksichtigt werden.
Wann also Abgestillt wird, entscheiden Mutter und Kind ganz alleine, eine Empfehlung kann es hier also nicht geben.
Mir sind auch schon oft Fragen wie :“ Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich jetzt Abstille?“, begegnet.
Keine Mutter ist eine schlechte Mutter weil sie ihr Kind abstillt oder nicht stillt.
Es sollten sorgsam alle Bedürfnisse abgewogen werden. Denkt die Mutter über das Abstillen nach um auf Feiern nicht immer auf Alkohol verzichten zu müssen und das Kind ist erst 5 Monate alt, entsteht natürlich ein anderes Gleichgewicht der Bedürfnisse als wenn eine Mama ihr 11 Monate altes Baby abstillen möchte aufgrund von extremen Schlafmangel unter dem die Mutter enorm leidet. Aber auch das kann nur die Mutter selbst abwägen da nur sie die Stärke ihrer Bedürfnisse und die des Kindes genau kennt.

Das begleitende Stillen über den 6. Monat hinaus wird von fast jeder entsprechenden Organisation empfohlen und in vielen anderen Ländern ist es auch tatsächlich „normal“ das Kind länger zu stillen. In unserer westlichen Welt ist dies leider nicht „mehr“ so selbstverständlich. Dies war tatsächlich mal anders. Vor dem zweiten Weltkrieg war es völlig normal das jedes Kind mit wenigen Ausnahmen von seiner Mutter gestillt wurde. Doch nach dem Krieg wurde die Flaschennahrung so hoch gelobt das es zunächst kaum noch stillende Mütter gab bzw. Mütter die länger als ein paar Wochen stillten. Auch hier bemerkt man schon die doch sehr starke gesellschaftliche Manipulation. Doch ab etwa den 70ern kam das Stillen dann nach und nach zurück, zum Glück.
Ich persönlich glaube dass das Thema Stillen in der nächsten Generation keine so große Diskussion wie heute mehr darstellt, zumindest hoffe ich dies. Einen Großteil der heutigen Debatten darüber entstehen natürlich weil viele aus unserer Generation mit dem Stillen gar nicht so konfrontiert wurden, selbst vielleicht nur kurz gestillt wurden und im Familien und Bekanntenkreis unserer Eltern und Großeltern kaum oder gar keinen kennen der gestillt oder lange gestillt hat.
Das eigentliche Problem ist auch die noch heute anhaltende Manipulation der Medien und der Gesellschaft, in der wir auch heute noch oft gesagt bekommen das Flaschennahrung genauso gut sei, oder als Geschenke zur Geburt auch im Krankenhaus schon mit Fläschen und Schnuller und entsprechenden Gutscheinen ausgestattet werden, statt Informationen zum Stillen und Stillberaterinnen zu erhalten. Bei jedem Kinderarztbesuch sehen wir Plakate und Flyer, selbst beim fernsehschauen werden wir mit Flaschennahrung konfrontiert, diese enorm große Auseinandersetzung im Alltag lässt es so normal und selbstverständlich wirken sein Kind nicht zu stillen.  Ich sehe selten Schilder von stillenden Mamas oder Werbung davon, nur negativ Schlagzeilen der Medien in denen sich wieder über einen Promi hergemacht wird die ihr Kind ganz normal stillt und dabei eben mal etwas Haut zu sehen ist. Das bei den Erotikbildern auf denen weitmehr zu sehen ist nicht geschimpft wurde ist ein Zufall? Wohlkaum. Aber mit Flaschennahrung lässt sich eben Geld verdienen, mit stillenden Müttern nicht, oder nur gring.
Einen großen Vorteil heute zu früher haben stillende Mütter allerdings, es gibt mittlerweile einige Studien und Fachpersonal das die stillende Mutter unterstützt und das nimmt natürlich stetig zu.
Ich selbst wusste gar nicht das es Stillberaterinnen gibt, wie wichtig das Stillen ist, das es garnicht selbstverständlich ist das es sofort klappt, welche Probleme auftreten können und und und, weil einfach die Aufklärung fehlte, ich las immer nur von Flaschennahrung auf den ganzen Mütterseiten.
So saß ich also nach unserer Entbindung im Krankenhaus und hatte löchrige blutige Brustwarzen weil ich einfach dachte es gehört dazu und das ich keine Hilfe zum Anlegen benötige weil dies doch jede Mutter instinktiv können muss. Tatsächlich ist es aber so das die Mama genauso wie das Kind dies erst lernen und mit der Zeit perfektionieren lernen müssen.
Die Stillbeziehung die ich mir in meinem Kopf immer ausgemalt hatte: „Die Mutter bekommt ihr erstes Kind in den Arm, legt es an die Brust und es trinkt perfekt daran und trinkt sich satt„, ist mir tatsächlich bisher persönlich noch nie begegnet. Stattdessen erfahre ich im direkten Umkreis immer öfter von anfänglichen Stillproblemen auf direkte Nachfrage. Oft erfahre ich hier das es diesen Mamas genauso ging und sie dachten als Mama muss man das einfach können und daher nicht darüber gesprochen haben.

Bei mir war es im Krankenhaus dann selbst so, dass ich keinen schnellen Milcheinschuss hatte und die Schwestern sofort mit Flässchen angelaufen kamen, statt mir das einzig richtige zu empfehlen – anlegen anlegen anlegen! Als frische unerfahrene Mama habe ich dies natürlich angenommen, bekam des öfteren ans Herz gelegt aufgrund der wunden Warzen nicht mehr zu Stillen und bin heute Gott dankbar das ich trotz weinen vor Schmerzen, dennoch ums Stillen gekämpft habe.
Zuhause merkte ich allerdings schnell das es Probleme gibt, meine Maus trinkt lieber aus der Flasche als aus der Brust, die Flasche empfohlen mir Hebamme und Arzt weiterhin „weil das Kind ja schließlich nach Tabelle grammgenau zunehmen sollte„. Heute weis ich es natürlich besser aber damals vertraute ich diesen Menschen. Bei jedem quängeln an der Brust hatte ich die Befürchtung meine Tochter wird nicht satt, nach jeder Nacht in der meine Tochter öfter zum trinken kam hatte ich die selbe Befürchtung.
Meine Hebamme bestätigte mir diese Ängste immer wieder.
Schnell bin ich aber auf eine ganz tolle Gruppe bei Facebook aufmerksam geworden in der unter anderem die liebe Lena vertreten ist, dort lernte ich viele Freunde der bedürfnisorientierten Erziehung kennen und bin dort auf viele liebevolle und hilfsbereite Stillberaterinnen und stillende Mamis gestoßen.
Nach 2 Unterhaltungen mit den Stillberaterinnen, packte ich die Schnuller, Flaschen und Pre Nahrung weg, ich legte meine Tochter von nun an nach Bedarf an, egal ob sie einmal in 3 Stunden kam oder 5 mal pro Stunde kam und siehe da, plötzlich war sie ein ganz anderes Baby. Die quälenden Bauchschmerzen verschwanden, sie war rundum zufriedener und ich merkte selbst die Bindung und das Vertrauen zwischen uns wuchs, wie ich ihr mit dem Stillen bei Zahnungschmerzen helfen konnte und wie ich ihr so Trost spenden konnte.
Natürlich war da noch die Unsicherheit nach dem 6. Monat die mir Arzt und Hebamme verschafften, ob sie immernoch satt wird allein mit der Muttermilch, da beim BLW kaum was im Bauch landete und schließlich waren da noch die Nächte in denen sie jede halbe Stunde zum trinken kam und genau das bekommen wir ja immer gesagt oder lesen es in Zeitschriften. Beim lesen und den Gesprächen mit Kinderarzt oder Hebamme kamen immer nur die gleichen Dinge heraus: „Das Kind muss jetzt essen, es braucht Brei, die Muttermilch ist nicht mehr nahrhaft genug„.
Aber nach einigen weiteren Gesprächen und Umfragen verschwanden diese Befürchtungen und ich begriff das die Betonung der BEIkost eben auf der ersten Silbe liegt.

Die Sache mit dem schlafen lese ich immer und immer wieder in Stillgruppen. Nachdem ich immer wieder das selbe las und Umfragen las wurde mir auch hier schnell klar das dies dazugehört. Zum einen ist die Brust eben einfach mehr als Nahrungsaufnahme, die kleinen durchleben so viel und entwickeln sich so schnell, sie müssen so viel verarbeiten da suchen sie oft einfach die Nähe und den Trost. Das ein Flaschenkind also Nachts weniger an die Flasche möchte als ein Stillkind an die Brust ist also verständlich.
Nun lese ich aber zwischendurch dennoch oft den Tipp auf 1er Nahrung, 2er Nahrung oder Schmelzflocken in der Flasche umzusteigen weil die Kinder dabei ja plötzlich durchschlafen. Und ich muss sagen auch bevor ich wusste warum diese Kinder meist durchschlafen, war mir persönlich nie wohl bei dem Gedanken. Aber ich möchte Euch zu diesem Thema gerne aufklären, denn PRE Nahrung ist für Babys die aus welchem Grund auch immer nicht gestillt werden, die allerbeste Nahrung.

Warum PRE Nahrung und keine 1er, 2er oder 3er?

Die PRE Nahrung ist in Ihrer Zusammensetzung zwar leider nicht identisch zur Muttermilch aber von allen Babynahrungen die ähnlichste zur Muttermilch. Sie ist verdaulicher für die Kleinen da das einzige enthaltene Kohlenhydrat, Laktose ist. Die PRE Nahrung soll dem Kind nach Bedarf gegeben werden, da das Verdauungssystem der Kleinen auch besser kleinere Nahrungsaufnahmen und dafür kürzere Abstände verträgt, ist das füttern nach Bedarf ideal und schont zusätzlich Babys Bäuchlein.

Ab der 1er Nachrung ist der Nahrung Stärke zugeführt, diese kann vom Verdauungssystem der Kleinen noch nicht verdaut werden was dazu führt das der Körper überfordert ist und der Körper des Babys ruhig gestellt wird.
Dies liegt unter anderem daran das die Verdauung der Stärke im Mund mit dem Speichel beginnt, also beim kauen. Wenn die Stärke aber in einem Getränk ist, kann die Verdauung hier nicht stattfinden. In 1er und PRE Nahrung sind allerdings die gleichen Nährstoffe enthalten, der einzige Unterschied ist hier also bloß die nicht verdaubare unnötige Stärke.
Die Kinder die also vermeintlich „besser“ schlafen, sind also bloß total überfordert mit der Stärke.
Hinzu kommt dass das Eiweiß der Nahrung weniger adaptiert wird, je höher die Zahl umso weniger wird adaptiert. Umso weniger das Eiweiß adaptiert wird umso weniger ähnlich ist es der Muttermilch.
Da das adaptieren der Eiweiße recht teuer ist, verdienen die Hersteller auch weniger an der Pre Nahrung. An der 1er und 2er Nahrung wird also mehr verdient. Damit wäre die Frage geklärt warum sie so hoch angepriesen wird.

Wenn Eure Kinder also öfter die Flasche möchten ist das absolut in Ordnung da PRE Nahrung ja für die Fütterung nach Bedarf ( wie beim Stillen) gemacht ist und somit besser verdaulich ist.

Hier gehts zum Interview mit Stillberaterin Lena Glodde

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